Wie „Lieb doch wen du willst“ zur 2. Damen kam

und sich in der Handballabteilung verbeitete

Leute, Teamfotos sind ja immer so eine Sache. Die Probleme gehen damit los, dass nie, wirklich nie, alle Zeit haben und hören mit der Frage nach dem Motiv auf. Uns war das klassische „Wir-stellen-uns-mal-alle-ins-Tor-und-grinsen-wie-blöd“-Bild noch nie gut genug. Wir wollten was Besonderes, was Großes! So auch 2014: Wieder sollte das in den Jahren zuvor bereits erprobte - und als Location für gut befundene - Millerntor herhalten, Fotograf unseres Vertrauens würde Till Gläser sein. Sandra und Anna stellten die Überlegung an, man könnte „was mit Transpi und buntem Rauch“ machen, natürlich nicht ohne sinnvolle Message. Die bisherige Botschaft „love handball, hate fascism“ hatte sich bereits gut verbreitet, etwas Neues sollte her. Zu Zeiten, in denen die Ehe für alle irrsinnigerweise noch immer nicht vom Bundestag verabschiedet worden war – was sich nun glücklicherweise geändert hat – es noch Menschen gibt, die der Meinung sind, Homosexualität sei nicht „normal“ und Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen noch immer diskriminiert werden, kamen wir zu „Lieb doch wen du willst“.

Und das ist die Geschichte, wie unser Schützling in die Handballabteilung Einzug hielt und in die Welt hinaus getragen werden sollte.

Aber stopp, das war ja noch nicht alles! Sagen wir mal so: Wie jede Beziehung hatte auch diese bessere und schlechtere Zeiten. Vor allem zu Anfang mussten wir uns wohl erst aneinander gewöhnen. So durfte das Motto vorerst nicht auf unsere Trikots, auch weil uns wichtig war, dass wir die zu dieser Zeit einheitliche Botschaft der Handballabteilung „love handball, hate fascism“ weiter mittragen möchten, „Lieb doch wen du willst“ musste sich also mit den Aufwärmshirts zufrieden geben. Nach und nach wuchsen wir aber zusammen und auch von außen kam sehr viel positives Feedback. Es folgten Aufkleber, Shirts und Beutel, die wir in der ganzen Abteilung und darüber hinaus feil boten.

Und so haben wir mittlerweile fast 100 Beutel und knapp 200 Shirts verkauft. Dabei gehen von jedem verkauften Stück immer 3€ an das Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus St. Pauli, 2€ behalten wir für weitere Projekte unsererseits ein.

2016 zur Handball EM verbot dann die EHF dem schwedischen Kapitän Tobias Karlsson die regenbogenfarbene Armbinde. Weil auch wir das unerhört fanden und uns der Kampf gegen Homophobie genauso am Herzen liegt wie der gegen Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art, schickten wir ein Paket mit regenbogenfarbenen Schweißbändern nach Breslau, ohne wirklich davon auszugehen, dass es bei den entsprechenden Personen ankommt. Erstaunlicherweise hat es jedoch geklappt und bescherte uns zusätzlich einen Artikel in der Handballworld.

Nach jedem Hoch, ein Tief. Im Mai 2016 folgte ein herber Rückschlag. Nach einem wie immer wunderbaren St. Pauli Cup, bei dem wir ziemlich viele Shirts verkauften, folgte ein kleiner Glücksrausch. Es wurde spät und dunkel und so kamen uns die Einnahmen von knapp 1000€ abhanden. Der mysteriöse Fall konnte bis heute nicht aufgeklärt werden. Jedoch ließen wir uns nicht lumpen, stellten mit unserer Lieblingsband Hemo & the Other kurzfristig ein Soli-Konzert auf die Beine und holten alle verlorenen Spendengelder und noch mehr wieder rein.


Wie gesagt: Jede Beziehung hat ihre Aufs und Abs, aber wenn man immer das Beste daraus macht, schweißt das am Ende nur noch mehr zusammen!
Heute, über 2 Jahre später ist der Regenbogen in unserer Handballabteilung allgegenwärtig. Aber da geht noch mehr… Lasst euch überraschen!