Ergebnisse & Spielberichte
vom Wochenende

07./08.11.2009
Spielberichte bitte an
redaktion@knickwurf.de senden. Danke

1. Frauen
FC St. Pauli - Buxtehude
18:20 (9:11)
Ein ungemütlicher Samstag abend Anfang Novemer. 18:51. Sporthalle
Chemnitzstraße.
Am Rande des Spielfeldes sitzt ein Gruppe Frauen in braunen Trikots.
Sie schwatzen, lachen und verstummen, grinsen, grämen sich, gackern
und klopfen sich aufmunternd auf die Schulter. Eine starke Böe
Selbstironie strömt durch die Halle, während ein blau-weißer Becher
genannt Teamgeist durch die Runde kreist, in deren Mitte sich die
beiden guten Freunde Gin und Tonic getroffen haben.

Verloren. Gegen Buxtehude. Das war ärgerlich. Sehr ärgerlich. Und
sicherlich unnötig. Was gefehlt hat?

KONSEQUENZ. Sie fehlte uns vorne wie hinten. Hinten stand unsere
Abwehr phasenweise nicht gewohnt sicher und dicht. Vorne fehlte sie
beim Abschluss.

Nach einer guten aber trefferarmen ersten Halbzeit kamen wir
motiviert und präsent aus der Pause. Endlich schafften wir es wieder,
uns aus einer guten Abwehr heraus Kraft und Selbstvertrauen zu holen.
Und so holten wir den Rückstand auf, gingen in Führung und hätten -
ja hätten wir mal - nach zehn Minuten den Sack zumachen können/
sollen /MÜSSEN. Aber da fehlte sie wieder, die Konsequenz. Und so
kamen die Gegnerinnen zurück ins
Spiel, übernahmen die Führung und schlussendlich auch den Sieg.

Da könnten wir uns jetzt lange ärgern und grämen - wichtiger ist
aber, dass wir die positiven Dinge sehen und erinnern, um auf diesen
nächste Woche gegen Wilhelmsburg aufzubauen. Wir...
...haben gut gespielt!
...Druck aufgebaut, auf Lücken gewartet und sie auch gefunden.
...können ohne Ball laufen und dann auch noch freie Mitspielerinnen
sehen.
...haben kleine Absprachen mit Nebenspielerinnen und Kreisläuferinnen
getroffen UND umgesetzt.
...haben erste, zweite und dritte Wellen durch die Halle rollen lassen.

... eigentlich fehlte nur noch eines: Treffen. Auch die 100%igen, bei
denen keine Gegnerin an uns dranhängt oder sogar schubst. Einfach nur
reinmachen das Ding. Dann gewinnen wir auch solche Spiele!

Und vielleicht sollten wir uns alle ein Beispiel an unserer 23
nehmen: beste Spielberichts-Quote mit zwei Treffern, ohne einmal aufs
Tor geworfen zu haben :o)

Abschließend bleibt eigentlich nur zu sagen, dass...
... auch ein sehr gutes Pferd mal in den eigenen Garten kackt. Blöd.

Aber ganz, ganz abschließend noch etwas Positives: Susan hat uns
gecoacht, und sie hat es gut gemacht. Vielen Dank!!!!
2. Frauen
FC St. Pauli 2
3. Frauen
FC St. Pauli 3

weibliche D-Jugend
FC St. Pauli
männliche D-Jugend
FC St. Pauli
F-Jugend
FC St. Pauli

1. Herren

SG Wilhelmsburg - FC St. Pauli
17:34 (7:19)

(Tosender Applaus, Michael Steinbrecher betritt schwungvoll das Studio)

Steinbrecher. (gegen den abnehmenden Applaus an redend) Herzlich willkommen, meine Damen und Herren zum aktuellen Sportstudio. Heute haben wir wieder jede Menge spannende Sportereignisse für Sie. Sie können sich auf eine hochbrisante Entscheidung im Endlauf um die deutsche Meisterschaft über 100-Meter-Pilze-Ärgern freuen. Spannend war es auch im Halbfinale der Europameisterschaft der weiblich C-Jugend im Rollerball, in dem die deutsche Mannschaft heute auf die Auswahl aus den USA traf. Und wir waren dabei bei der Verleihung des diesjährigen Winning-Ugly-Fairness-Preises in Unna.

Aber anfangen werden wir wie immer mit Handball. Da hat es ja so einige Bewegung und Unruhe in der zweiten Liga Hamburg der Männer gegeben, nachdem Titelfavorit FC St. Pauli bei der Regionalligareserve des TSV Ellerbek deutlich verloren hatte. Zwar konnten die Spieler vom Kiezclub diese Schlappe nur wenige Tage später wieder ausmerzen und sich mit einem klaren Sieg gegen eben jene Ellerbeker im Pokal revanchieren, die Liga war jedoch gespannt, auf den ersten Auftritt in gegnerischer Halle. Jörg Zwiebelkorn war dabei, und er weiß, ob der Favorit in Ellerbek nur leicht gestrauchelt oder schwer aus dem Tritt gekommen ist.

(Es folgt ein unspektakulärer Bericht über ein an Höhepunkten armes Spiel. Wenig Aufreger bis auf ein paar schön herausgespielte Tore, viele tolle Paraden von Inge, die lautstarke Unterstützung seitens der St. Pauli-Anhänger und das reichhaltige Angebot des Tresenverkaufs im Vorraum der Halle (von Mettbrötchen über Frikadellen bis Cola-Rum-Mischungen im Afterhours-Mischungsverhältnis war alles vorhanden, was jedes auch noch so uninteressante Handballspiel zu einem wahrhaften Schmaus werden lässt).

Steinbrecher. Begrüßen Sie mit mir den Trainer des FC St. Pauli, Tom Blanck.

(Applaus, Tom betritt das Studio)

Steinbrecher. Schönen guten Abend, Herr Blanck.

Blanck. Hallo, Herr… äääh, hier… Dings.

Steinbrecher. Sind Sie zufrieden mit dem Spiel Ihrer Mannschaft?

Blanck. Ja gut, wenn Sie mich so fragen, kann ich nur sagen: sagen wir mal so: ja. Es ist immer schwer, die Moral über 60 Minuten hochzuhalten, wenn man nach der ersten Halbzeit schon mit 12 Toren führt.

Steinbrecher. War das eine Überraschung für Sie, dieser deutliche Sieg?

Blanck. Ja, ich hatte mehr Gegenwehr erwartet.

Steinbrecher. Sie hatten viel Pech mit Verletzungen und krankheitsbedingten Ausfällen. Macht sich da jetzt die knallharte und auch unkonventionelle Vorbereitung bemerkbar? Oder gibt es andere Gründe? Versagt die medizinische Abteilung? Oder gehen die Spieler zu sorglos mit ihrer Gesundheit angesichts solch hoher Belastungen (10 Spiele in 16 Wochen) um?

Blanck. Ich denke nicht. Wissen Sie, die Jungs sind keine Anfänger, das sind intelligente Spieler, die wissen, dass ihr Körper ihr Kapital ist – und da haben eben einige etwas mehr, andere etwas weniger Kapital. Das ist halt einfach Pech mit dem Schnupfen. Und das Märchen von der Korrelation zwischen Alkohol (besonders nach dem Sport) und Sportverletzungen (gerade beim Sport) hat auch noch niemand beweisen können. Wir bleiben bei unserer Diät!

Steinbrecher. Apropos Kapital: Spürt man in einem derart auf Kapital gestütztem Verein die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise? Oder sind das, wie viele Fans ja immer kritisch anmerken, eh alles Millionäre, die so etwas nicht stört?

Blanck. Doch, doch, durchaus, das trifft auch uns. Wenn sie sich zum Beispiel den rapiden Gewichtsverlust bestimmter Spieler anschauen, da ist oft nur noch Schmalhans Küchenmeister. Einige Spieler können sich kaum mehr als sechs bis acht Bier nach dem Training leisten. Oder das Beispiel unseres Franzosen. Der konnte sich über Wochen keine HVV-Tickets mehr leisten und musste so dem Training fernbleiben… naja, so hat er wenigstens nicht abgenommen…

Steinbrecher. Sie hatten sich ja zuletzt etwas kritisch über die Terminpolitik des Welthandballverbandes und der Nationalmannschaften beschwert. Oft seien kaum mehr als zwei, drei Spieler beim Boßeln oder fünf bis sechs Spieler nach dem Training im Jolly, weil der Rest (z.B. Yves) bei den Nationalmannschaften weilt. Stehen sie zu dieser Kritik?

Blanck. Wissen sie, ich sehe das so: alles hat seine zwei Seiten. Natürlich nervt es, dauernd Spieler abstellen zu müssen. Aber auf der anderen Seite sind es natürlich Luxusprobleme, wer hätte nicht gerne so hochklassige Spieler aus anderen Nationen dabei? Diese, ich nenne es mal „bunte Mischung“ ist ein Grund für unsere Spielkultur. Ohne Yves z.B. hätte ich niemals dieses leckere luxemburgische Bier kennengelernt. Seien es französische, luxemburgische oder so exotische Einflüsse wie aus Altrahlstedt, das ist doch das Salz in der Suppe. Auch wenn die Verständigung manchmal doch etwas schwerfällt, vor allem mit unseren Neuzugängen aus dem Hamburger Osten.

Steinbrecher. Ich muss einen weiteren kritischen Punkt beim FC St. Pauli ansprechen: die Fans. Zuletzt gab es Beschwerden, die Fans seine ungerecht oder gar parteiisch. So sollen bei einem Heimspiel der zweiten Herren gegnerische Spieler mit Zwischenrufen wie „Schuss!“ (obwohl man da gar nicht werfen konnte) oder „Spring!“ (obwohl das voll blöd gewesen wäre, dann zu springen) irritiert worden seien. Außerdem kursieren Gerüchte über eine gewisse Nähe zum so genannten „Schwarzen Block“. Wie sehen Sie das?

Blanck. Alles Blödsinn! Gut, ich gebe zu, manches Mal geht es mit den Zuschauern etwas durch. Aber das ist alles nur halb so wild, wie es später in der Presse dann dargestellt wird. Mit Alkohol hat das nix zu tun.

Steinbrecher. Herr Blanck, ich stelle Ihnen jetzt mehrere Fragen und Sie antworten bitte ganz kurz mit einem Wort. Bereit?

Blanck. Schieß los, Alder!

Steinbrecher. Wenn Sie unbegrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung hätten, dann würden Sie…

Blanck. …Karabatic und eine Kiste Astra kaufen…

Steinbrecher. Ein Leben ohne Handball wäre für Sie und Ihre Spieler…

Blanck. …eine nüchterne Angelegenheit…

Steinbrecher. Ein guter Handballer muss…

Blanck. …trinkfest sein…

Steinbrecher. Am Ende der Saison ist der FC St. Pauli…

Blanck. …betrunken…

Steinbrecher. Wenn Sie Nationaltrainer wären, dann würden Sie…

Blanck. …einen ausgeben!

Steinbrecher. Kann es sein, dass bei Euch zu viel gesoffen wird?

Blanck. So einen Blödsinn, habe ich ja noch nie gehört!

Steinbrecher. Herr Blanck, ich bedanke mich für dieses Gespräch.

Blanck. Da nich für!

2. Herren

HG Norderstedt 2 - FC St. Pauli
18:19

„Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss“, „Unter’m Strich zählen nur die Punkte“, „Hauptsache gewonnen – egal wie“.

Wie jetzt? Déjà-vu? Nein. Zwar eröffneten diese Phrasen bereits den Bericht des letzten Spieltages, sind aber für unser Spiel am vergangenen Sonntag in Norderstedt nicht minder treffend.

Ole hatte uns vor Spielbeginn gebeten die Anfangsphase der Partie diesmal nicht zu verschlafen und zusätzlich sogar noch hellwach zu sein. Allen voran Christoph beherzigte dies auch und konnte drei unser ersten vier Treffer erzielen.

Da wir in der Deckung aber die Worte unseres Trainers nur teilweise umsetzen konnten und unser Gegner offensichtlich ähnliche Vorgaben hatte, war spätestens beim Zwischenstand von 7:7 klar, dass es wohl erneut keine leichte Aufgabe für uns werden sollte. Zwar konnten wir uns im Laufe der ersten Halbzeit in der Abwehr steigern, taten uns im Angriff aber häufig schwer gute Chancen zu erarbeiten bzw. diese dann auch sicher zu verwandeln. So kam es auch, dass wir zur Halbzeit mit einem Tor hinten lagen. Man konnte also sagen, „Das Chancenplus war ausgeglichen“.

Die Pause nutze Ole, um uns unsere Fehler bewusst zu machen und sprach davon, dass er bei jedem einzelnen Blut in den Augen sehen möchte. Was er damit meinte, sollte sich später zeigen…

Die zweite Spielhälfte wurde dann zunehmend vom Kampf bestimmt, was zum einen zur Folge hatte, dass das spielerische Element bei beiden Mannschaften häufig nicht mehr so stark im Vordergrund stand und sich zum anderen die 2-Minuten-Strafen häuften.

Glücklicherweise war es zumeist der Gegner, der uns mit unfairen Mitteln am Torwurf hinderte, weshalb wir in dieser Phase des Spiels, des häufigeren in Überzahl spielten. Glücklicherweise? Weit gefehlt. Einmal weil Christoph jetzt Blut in den Augen hatte (obwohl es kam eigentlich eher aus der Nase) und darüber „not amused“ war. Des Weiteren kann man im Normalfall von einem Vorteil sprechen, wenn man einen oder sogar zwei Spieler mehr auf dem Feld hat. An diesem Sonntag waren diese Situationen für uns allerdings mehrfach keineswegs ein Vorteil und wir schafften es dementsprechend auch oft nicht, selbigen daraus zu ziehen. Im Gegenteil. Wir vergaben weiterhin glasklare Chancen und so konnte die HG Norderstedt trotz weniger Spieler auf dem Platz mit 15:13 in Führung gehen, was Ole veranlasste eine Auszeit zu nehmen. Diese Auszeit wurde von Norderstedter Seite fast schon wie ein Sieg bejubelt, aber um den Phrasen eine weitere hinzuzufügen: Wer zuletzt lacht, lacht ja bekanntlich am besten.

Auch diejenigen von uns, welche nun auf der Platte standen schienen diese Weisheit zu berücksichtigen und wir egalisierten den Rückstand nicht nur, sondern gingen kurz darauf mit 2 Toren in Führung. Das Auge in dieser Phase des Spiels seinen Kasten kurzzeitig vernagelt hatte, half dabei im Übrigen nicht unerheblich.

Das dann der Trainer der HG beim 15:17 seinerseits zur grünen Karte griff, überrascht sicherlich wenig, sollte aber auf den weiteren Spielverlauf keinen wirklichen Einfluss mehr haben. Denn spätestens als Wilde sich mal wieder auf Rückraumrechts durchgetankt hatte und seinen insgesamt zehnten Treffer zum 17:19 markierte war das Spiel entschieden. Dies konnte ein Nachteil oder ein Vorteil sein, sowohl für uns als auch für die gegnerische Mannschaft, denn wir hatten zwar noch zwei Versuche, die das Spiel durchaus zu einem weniger knappen Endergebnis hätten bringen können, beließen es aber wie so häufig an diesem Tag beim Versuch des Torerfolges und kassierten lieber noch einen.

Dennoch haben wir erneut zwei Punkte gewonnen und daher möchte ich auch beim Schlusswort nochmals die copy & paste-Funktion zum Einsatz bringen. Also: Alles nach Plan gelaufen.

3. Herren
FC St. Pauli 3
4. Herren
Norderstedter SV 3 - FC St. Pauli 4
19:24

Es geht aufwärts. Zumindest punktemäßig. 3 Siege und ein Unentschieden aus den letzten vier Spielen, das hört sich doch schon sehr ordentlich an.

Bei näherem Hinsehen hakt es bei uns allerdings noch ganz gewaltig. Der Punkt gegen Appen – wahrlich kein schlechtes Team – war am Ende einfach zu wenig. 4 Minuten vor Schluss muss man eine 2 Tore-Führung einfach über die Zeit bringen, vor allem, wenn überhaupt nur 15 Tore auf beiden Seiten fallen.

Oder Altona: Ganz klar ein zuckersüßer Sieg, zumal der Siegtreffer zum 18:17 fünf Sekunden vor Schluss fiel. Aber nächstes Mal bitte etwas weniger Gemotze gegen Alles und Jeden; souverän sieht anders aus.

Gegen Norderstedt am letzten Wochenende legten wir den vielleicht katastrophalsten Start der letzten zehn Jahre hin: 2:7 nach 15 Minuten. Sicher, einigen von uns steckte noch der Pauli-Sieg gegen Düsseldorf vom Vorabend in den Knochen, aber das darf als Ausrede natürlich nicht zählen. Da aber in der Anfangsphase die überschaubaren Qualitäten unseres Gegners deutlich zu Tage traten, waren wir eigentlich immer sicher, das Ding noch umzubiegen. Zur Halbzeit führten wir dann mit zweien, am Ende stand es 24:19 für uns.

Richtig Spaß gemacht hat der Sieg im Pokal gegen Schenefeld. Lockeres Spielchen, endlich mal wieder richtig Tore geworfen, wobei man auch hier zugeben muss, Blau-Weiß war nicht die ganz große Nummer.

Richtig scheiße ist das unglaubliche das Verletzungspech in dieser Saison – dabei dachten wir nach den letzten zwei Jahren eigentlich, schlimmer geht?s nimmer. Doch jetzt: Moritz: Kreuzband, die vierte; Klaus: (wahrscheinlich) Kreuzband, die zweite; Frank: Muskelfaserriss; Michael S: Kniescheibe raus; Bernhard: Meniskus durch; Thomas: Rücken, und so weiter?.

Heißt: Die anderen dürfen sich über ausgiebig Spielzeit ?freuen?, sind zwei Mann auf der Bank derzeit doch schon richtig viel.

Nach Rellingen ist erstmal Spielpause bis in den Dezember. Am 13.12. dann das letzte Spiel gegen Niendorf. Die beiden Matches wollen wir natürlich gewinnen, dann sieht die Hinrunde schon wieder ganz ordentlich aus.

Vor Niendorf gibt?s ja aber noch ein echtes Highlight am 5.12.: erst 1., 2. Männer, 1., 3. Frauen in der Budapester glotzen, danach Grünkohlfressen bei Kuno. Das ist fast schon Weihnachten.

 

5. Herren
FC St. Pauli 5 vs. HSG Red/Blue 4
13:11 (8:7)
Na, wer von euch hat es schon mal geschafft, mit seinem Team ab der 50. Minute in einem Ligaspiel kein Tor mehr zu werfen und trotzdem noch die Partie erfolgreich – und das sogar recht souverän – nach Hause zu schaukeln? Ich tippe einfach mal, dass ist wohl den wenigsten St. PaulianerInnen bislang geglückt. Was aber, wenn wir verraten, dass wir zu diesem Zeitpunkt erst 13 Treffer erzielt hatten?
Was ein wenig verrückt klingt, ist am Wochenende (leider) Realität geworden. In einer hart umkämpften Partie, in der der Schiedsrichter sich mit Pfiffen nach Foulspiel auffällig zurückhielt, führten wir zur Pause knapp aber verdient 8:7. Während der Gegner überwiegend über die Außen zum Erfolg kam, waren wir aus dem Rückraum gelegentlich erfolgreich und hatten mit Nils, einen Spieler in unseren Reihen, der gerne erst eine (Tempogegenstoß-)Chance vergibt, dann aber schnellst möglich den Ball zurückerobert, um im zweiten Anlauf doch noch den Treffer zu erzielen. In Angriff haperte es in der ersten Hälfte vor allem am Abschluss, freie Würfe wurden vergeben, dafür die Schwächen im Angriff durch robustes Abwehrspiel wieder ausgebügelt.
Nach der Pause blieben die Schwächen im Angriff bestehen: Siebenmeter wurden verworfen, der neu eingewechselte Torhüter warmgeworfen, Bälle hinter das Tor geschmissen und trotzdem bauten wir den Vorsprung weiter aus ... Nach 50 Minuten stand es 13:7! Fünf Treffer in 20 Minuten sind wahrlich keine Glanzleistung – aber 20 Minuten ohne Gegentreffer? Zu verdanken haben wir das Bally, der uns mit grandiosen Paraden das Tor sauber hielt und den zwei Martins, Jan und seit neustem auch Konrad, die abwechselnd im Mittelblock genüsslich Beton anrührten ... Erst in Minute 50 hatte der Schiedsrichter dann ein Einsehen mit den wacker anrennenden Rot-Blauen (wo liegt das eigentlich?) und schenkte den Gegnern einen Siebenmeter. Auch Bally machte eine Ausnahme und ließ den Ball passieren. 8:13, 9:13, 10:13, 11:13 ... Wir kassierte Treffer um Treffer, die Zeit aber lief für uns. Denn wer 20 Minuten ohne Gegentor bleibt, der kann sich auch mal zehn Minuten ohne eigenen Treffer leisten ... Die schwächste Offensive dominiert somit die Liga weiter nach Belieben und eilt von Sieg zu Sieg ;-)
Mal sehen wie lange das weiterhin gut geht.

Mit von der Partie waren: Bally, Martin T. 3, Eike, Martin W. 1, Steffen 3, Lars 2, Gernot, Jan, Nils 2, Boris 1, Konrad, Engel 1, Jonas, Andre
6. Herren
FC St. Pauli 6 - SC Hamm 02
6:15 (7:5)

Ich nehme mir mal heraus, einen etwas persönlicheren Bericht zu schreiben, denn an diesem Samstag ist ein wahrlich unerhörtes Ereignis eingetreten: zum allerersten Mal in meinem Leben war ich der älteste Spieler auf dem Feld. Nur der Schiri (für Kenner: Spoiler 2) sah zumindest älter aus als ich.

Nun weiß ich, daß es unter euch jungem Volk wahrscheinlich sehr viele gibt, die sich sowas überhaupt nicht vorstellen können. Oh unbeschwerte Jugend! Ihr denkt wohl, es geht immer so weiter: rennen, werfen, blocken, feiern, saufen, Liebe machen, hinfallen, Mund abwischen, weitermachen. Aber laßt euch das von einem alten Kämpen gesagt sein: alles hat ein Ende! Das Leben ist vergänglich! Die Jugend ist vergänglich! Eines trüben Tages im Herbst werdet auch ihr auf dem Platz stehen und euch umschauen und in Gesichter blicken, die euren Kindern gehören könnten, so rosig und unbeleckt von des Lebens harten Wettern.

Und auch ihr werdet sagen.„Mensch Fabrice, nu' geh doch ins Tor; diesmal passen wir auch wirklich auf.“ und Fabrice wird den Kopf schütteln, der 37 Treffer eingedenk, die er im letzten Spiel gegen Buchholz gefangen hat und er wird sich weigern. Und schwer lastet die Verantwortung auf euren Schultern: ihr seid Ältester und Ältestgedienter.

Und ihr werdet euch das orangene Leibchen überziehen, das Bonanzarad auf der Brust und werdet zu eurer Mannschaft sprechen und sagen„OK Männer: ich bin kein Torwart und ich hab' keinen Sackschutz an. Also zeigt eure Arme und haut ihnen auf die Pfoten.“ Und ihr stellt euch ins Tor.

Und es wird ein Hamm sein, gegen das ihr spielt. Es gibt viele Hamms auf der Welt und gegen eines davon werdet ihr spielen und es wird langweilg werden. Oh so langweilig! Und sie werden den Ball von links nach rechts passen und wenn er da angekommen ist, werden sie ihn zurück passen und manchmal werden sie einen Wurf antäuschen, aber werfen werden sie nicht, denn eure Abwehr zeigt die Arne und die Hammer hüten sich, sich auf die Pfoten hauen zu lassen. Und wenn mal einer durchkommt auf außen oder am Kreis, dann werdet ihr den Schuß natürlich nicht halten, denn ihr seid alt und steif. Aber das ist nicht schlimm, denn sie kommen nicht oft durch und aus dem Rückraum treffen sie nicht oder ihr könnt den Ball fangen.

Und was wird eure Mannschaft tun? Eure Mannschaft wird eine gruselige Quote fabrizieren, denn des Gegners Torwart wird zwei Meter groß sein und oben jeden Ball halten, der nicht danebengeht – also jeden zweiten Wurf. Ihr werdet ein Rückraumspiel ohne Rhythmus sehen, denn der halbe Rückraum fehlt (sonst wärt ihr auch nicht der Älteste) und mit den neuen Verstärkungen passen die Laufwege noch nicht so ganz. Auch von außen wird der andere Torwart (im Gegensatz zu euch) jeden Ball halten und nur weil eure Mannschaft individuell viel besser ist, werdet ihr mit einem erbärmlichen 7:5-Vorsprung in die Pause gehen.

Und ihr werdet spüren den Eifer der Gerechten und sagen:„Euch Jungvolk werde ich mal zeigen, wie man im Rückraum Druck macht, euch grünen Jungs, die ihr noch aufs Töpchen mußtet, als ich schon Fahrrad fuhr.“ Und Simon wird sich eurer erbarmen und das grüne Jersey des Nachwuchstorwarts überstreifen und voll des Tatendrangs werdet ihr mit breiter Brust das Feld betreten.

Und dann werdet ihr leiden. Oh, wie ihr leiden werdet! Denn der böse Feind, er wird euch den Weg abschneiden im Angriff und gar keinen Druck werdet ihr aufbauen und ihr werdet euch so alt fühlen wie ihr seid. Und dann wird Hamm wieder den Ball von rechts nach links passen, und wenn er da angekommen ist, werden sie ihn zurückpassen und dann wieder und wieder und der Schiedsrichter wird keine Anstalten machen, das elende Zeitspiel zu unterbinden. Und sie werden den Ball ins Tor werfen: einmal, zweimal, dreimal, viermal, fünfmal. Und ihr werdet denken „Ach wär ich doch im Tor geblieben. Da waren wir zwar auch scheiße, aber wir haben geführt.“ Und weiter werdet ihr denken: „Der Lenze vierzig hab' ich jetzt gesehen und viel erduldet und erlitten. Doch muß ich wirklich mich in diese Schmach noch fügen?“ Und ihr werdet der Anregung von der Bank folgen, die Seite zu wechseln, denn ihr seid alt und weise und kennt euren Platz und wißt, was die Stunde geschlagen hat. Und Sascha wird aus dem Rückraum treffen. Von eurer Postition. Und dann werdet ihr euch sagen:„Alt bin ich nun und hab' nicht mehr lange zu leben. Da kann ich auch auf die eins gehen.“ und ihr werdet den Stachel eures erfahrenen Abwehrspiels in des Gegners Angriffszentrum bohren.

Und was wird Hamm tun? Hamm wird nicht mehr den Ball in Ruhe passen können von rechts nach links und von links nach rechts und wieder zurück, sondern sie werden das riskante Kreisanspiel suchen und den riskanten Wurf und es wird alles in die Hose gehen. Und ihr werdet abfangen den Ball und nach vorne sprinten und mit jedem Schritt werden die Jahre von euch abfallen wie von den Bäumen die Last der welken Blätter und ihr werdet mit wildem Mut den Ball ins Netz dreschen zur Führung, vorbei am Torwartriesen, der viel besser hält als ihr bei Würfen von außen aber das nützt ihm jetzt auch nichts.

Und was wird eure Mannschaft tun? Eure Mannschaft wird genau dasselbe tun wie ihr und keinen Rhythmus haben, aber das ist egal und jetzt kriegt der Gegner auf die Pfoten gehauen und jetzt paßt auch mal ein Wurf und am Ende werdet ihr (zum erstenmal in der Saison) die zweite Halbzeit verlieren, aber das Spiel werdet ihr mit 16:15 gewinnen.


So – meine jungen Freunde – so wird es sein, und nicht anders.

Also: genießt die Zeit bis dahin.

(arne)



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