HSG Oberalster/F.
5. Männer
17
32

HSG Oberalster/Farmsen – FC St. Pauli 5 17:32 (7:16), 5.11.2017, 15:30, Grützmühlenweg / Rellinger TV – FC St. Pauli Vintage 18:21 (11:11), 5.11.2017, 19:00, Egenbüttel

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Kleinholz

„I’m gonna whittle you into kindlin.“
Tom Waits – „16 Shells from a 30.6“

Ich nippte zufrieden an meinem Malzbier. Neben mir studierte Kuddel eines dieser Blätter mit den großen Buchstaben. „Hör‘ dir das mal an!“ stupste er mich in die Seite und begann zu deklamieren: „Wir haben sie fertiggemacht. Wir haben sie umgerammt. Wir haben ihnen die Augenbrauen ausgerupft – nur so aus Spaß. Dann haben wir ihnen die Barthaare ausgerupft. Einzeln. Weil sie keine Augenbrauen mehr hatten – nur so ‘nen Strich, wie kalifornische Millionärsgattinnen. Und als sie keine Barthaare mehr hatten, haben wir ihnen die Zehennägel geschnitten. Und die ganze Zeit geschossen, geschossen, geschossen – und getroffen!“

„Mein lieber Scholli!“ flötete ich über den Flaschenhals. „Ist das ein Bericht über Kriegsgreuel im Jemen?“ „Das ist die Sportseite.“ grinste Kuddel. „Spielerinterview nach einem Handballspiel. Ist mal was anderes als diese ewiggleichen Fußballerphrasen.“ „A propos…“ setzte er nach, „Wie war eigentlich euer Spiel am Wochenende?“

Ich konnte nicht klagen. Ganz im Gegenteil. Tatsächlich war ich hochzufrieden und fing sofort an, ihm aufs schwärmerischste das Ohr abzukauen.

Oberalster hatte uns letzte Saison zweimal geschlagen – aber da war‘s ja auch um nix gegangen, weil klar war, daß wir beide aufsteigen würden. War natürlich trotzdem ärgerlich und hatte uns noch extra heiß gemacht. Diesmal ging‘s aber auch gegen den Abstieg und wir waren auf den Punkt da! Martin hatte sich Notizen gemacht und stellte von Anfang an eine 5-1 auf den Platz. Damit kamen sie gar nicht klar. Vorne nagelte Sascha ihnen erstmal in Rekordzeit 4 Dinger rein und Alv füllte unauffällig von außen nach. Nach einer Viertelstunde stand‘s 2:10.

Natürlich versuchten sie, unsere Außen kurz zu nehmen, aber das half ihnen nichts. Gelegentliche Anfälle von Hektik bekamen wir rasch in den Griff und spielten sie im Großen und Ganzen recht ordentlich auseinander. Nach einer guten Viertelstunde hatten wir auch den Kreisläufer im Griff; weil sie‘s dennoch nicht lassen konnten, ihn anzuspielen, fuhren wir einen Konter nach dem anderen. Ohne nachzulassen und gegen Ende hin immer konsequenter ausgespielt. Derweil nagelten die Torhüter die Kiste zu; einzig der Rechtsaußen sorgte immer mal für Mißstimmung, bis Kurt dann schließlich auch ihm noch die Tür zumachte. Und 15 Tore Differenz sind schonmal ‘ne Hausnummer. Und überhaupt sind wir eigentlich ja doch die…

„Zwei Bier!“ blökte plötzlich einer, als ich gerade zum wiederholten Male unsere taktische Finesse und körperliche Robustheit preisen wollte. „Große!“

Mit hochrotem Schädel plumpste der Oldtimer wie ein Mehlsack auf einen Barhocker. „Bin völlig fertig.“ keuchte er und goß sich das erste Bier ohne sichtbare Schluckbewegung in sattem Strahl in den Schlund. „Was denn?“ stichelte der Barmann. „Hat dich dein Kiezbesuch so fertiggemacht?“

Der Alte kuckte verwirrt; dann schien er die Spitze zu verstehen, ignorierte sie sogleich und wischte sich die Stirn mit einem riesigen Taschentuch, das er aus der Innentasche seines speckigen Tweedjacketts gezogen hatte.

Nee. Das war Rellingen.“ Er griff nach dem nächsten Bier. „Bin lange nicht mehr so viel gerannt. Und alles nur, weil die so ehrgeizig waren.“ „Die waren ehrgeizig?“ fragte Kuddel. „Und deswegen bist du gerannt?“ „Jaja!“ Der Alte schnappte nach Luft. „Also, der Jörg Käding hat nämlich gesagt, daß wir die auf keinen Fall gewinnen lassen dürfen, weil die ja offenbar unbedingt gewinnen wollten.“ Da rutschte mir ein schnelles „Ach was!“ raus. Das hielt ihn aber nicht auf. „Jaja! Die hatten da nämlich ein paar Kerle dabei, die viel zu gut waren für die Liga. Zumindest waren die besser als Wilhelmsburg.“

„Aber ihr habt gewonnen.“ gab ich zu bedenken. „Also wart ihr ja vielleicht noch besser und das ist dann ja noch unfairer.“ „Nee, nee.“ erwiderte der Alte. „Das war nur, weil der Jörg und auf Rechtsaußen der Wolf und der Alex anfangs so gut getroffen haben. Und weil wir uns in der zweiten Halbzeit dann so angestrengt haben. Mensch, bin ich fertig!“ Mit diesen Worten trank er mein Malzbier aus. „War euer Schiri auch so blind wie unserer?“ fragte er dann.
„Nö.“ gab ich zurück. „Unserer war richtig gut.“
(arne)

Im Grützmühlenweg spielten: Bü (Tor), Kurt (Tor), Alv (10/6/7), Christian (4), Jonny (1), Michel (1), Martin K. (2), Holger (2), Sascha (4), Sven (6), Arne (2), Wilde

In Egenbüttel spielten (ohne Tore, weil das wegen Leibchen völlig falsch gezählt wurde): Ingo (Tor), Boris, Wolf, Krause, Klaus, Jens, Jörg K., Guido, Arne, Alex, Engel

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