TV Fischbek
1. Männer
29
30

TV Fischbek - FC St. Pauli 29:30 (13:15); Auswärtsspiel am 22.04.2017, 18.30h, Sporthalle Neumoorstück

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Avec Lemur

Auswärtsspiel TV Fischbek 16/17

Im Bett liegend schaue ich in den Mond. Der sieht ja wirklich heute mal richtig… Scheiße aus. Der ist so klein und nichtssagend irgendwie. Moment mal, sind da tatsächlich noch mehr Monde? Boah, wie viele sind das denn?

Alles ist verschwommen, ich kann nicht klar sehen. Aber das was da vor mir abläuft fühlt sich äußerst real an. Die Grenzen verschwimmen zwischen Somnolenz und scharfer Wahrnehmung. Es ist diese Phase, die jeder kennt, wo wir weder schlafen noch wach sind und unsere Augen bereits geschlossen sind (zumindest verdecken unsere Lider in der Regel unsere Pupillen). Und mein Gehirn schwingt in einem bestimmten Rhythmus (Alphawellen).
So viele Gesichter. Ein Lautes „FAAAIIRRRR ……. PLAYYYYY!“ schrillt in meinem Kopf. Das war doch der Spruch der Fischbeker am Wochenende! „WIR WASCHEN UNS NIE …. SANKT PAULI!“ dröhnt dagegen. Ich sinke dahin. Bin weg. Gebe mich meiner inneren Geräuschkulisse hin. Da ist nämlich nicht dieser Lärm und außerdem kann ich dort in Ruhe nachdenken bzw. träumen. Irgendwie drängt sich da etwas ziemlich massiv in meinen unbeschreiblichen Zustand. Leicht duselig nehme ich übersteuerte Western-Musik wahr und im Hintergrund, in Diskrepanz dazu stehend, höre ich Lenny kopfnickend in der Kabine flüstern:

„Denn das Beste auf der Welt sind wir Menschen
Und das Schlechteste der Welt sind wir auch
Bei den Tränen Mutter Teresas und all ihrer Haters
Throw your Menschlichkeit in the sky
Gettin‘ Jiggy with it!“ (Maeckes)

Ich fange an meine Umgebung zu scannen und wie es in so einer Rapid-Eye-Movement-Phase (von Anfängern auch Traum genannt) eben passiert, spüre ich alles – sogar das, was aus meiner Perspektive eigentlich nicht wahrnehmbar ist. Lass es mich genauer erklären:

Ich weiß es nämlich jetzt ganz genau. Ich sitze in einer Umkleidekabine. Auf dem Boden liegen jede Menge Taschen und auf den Bänken sitzen lauter Spieler aus meiner Mannschaft. Eigentlich sind es keine Männer, die da vor und neben mir sitzen. Eigentlich sind das alles Gorillas. Na gut es sind männliche Gorillas. Ich bin kein Zoologe, aber ich kann in diesem Moment mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass es männliche Gorillas aus Ruanda sind. Na eben diese besonderen. Die, die halt so wie Gorillas aussehen, aber einen leichten (fast nicht erkennbaren) Braunstich besitzen.
Der eine Gorilla, der da so im Raum rumsteht, hat genau so eine Fratze wie der Klaus.
Ist das abgefahren. Und der macht so komische Gorilla-Geräusche (die verstehe ich nicht mal in meinem Traum, aber ich nicke einfach, weil alle es tun) während er wild mit seinen haarigen Armen fuchtelt. Er dreht sich um zur Taktik-Tafel, die mit Voodoo-Puppen überfüllt ist und entblößt seinen mächtigen Rücken, der einfach kein bisschen gorillaartig ist. Das ist ein stinknormaler Männerrücken. Er hat hier und da mal ein paar Haare und zwei, drei Pickel. Vor allem sind dort verdammt viele geile Aufkleber von FCSP Handball und Gorilla HC Rwanda zu finden.

Ziemlich lautes Gegröle, der ganzen Gorillas, die teilweise auf den „Silberrücken“ an der Taktik-Tafel zeigen: „RööööRRRööööö…. RuuuuuuHHHuuuuuHHuuHHHuuu…“ Also eine Gorilla-Lache ist alles andere als sympathisch, sondern eigentlich ist es ziemlich hässliches Geräusch. Ich schaue mir die einzelnen Gesichter genauer an und bemerke, dass in jedem Gesicht etwas rundes Menschliches ist – manchmal ein Auge, eine Nase oder sogar das ganze Gesicht. Der eine Gorilla sitzt ganz entspannt auf dieser harten Holzbank als wäre es eine gemütliche Chaiselongue. Er hat die Beine übereinander geschlagen. Ich frage mich, ob das bei Gorillas nicht auch zu Instabilitäten der unteren Lendenwirbelsäule bzw. des Kreuz-Darmbein-Gelenkes führt. Egal, denn als ich sein Gesicht sehe, kann ich nicht umher als zu lachen. Das sieht einfach so bescheuert aus. Er bläst permanent seine „Backen“ auf, als würde er versuchen diese durch Luft von innen zum Platzen zum bringen.

Als ich lache bemerke ich etwas, was mir tatsächlich die Sprache verschlagen lässt.
Aus meinem Mund kommen keine schönen sympathischen Lachgeräusche, womit man sogar Gorilla-Damen herumkriegen würde, sondern einfach nur so komische Affenlaute.
Und dann wird es einfach nur noch beschissen. Ich schaue auf meine winzigen kleinen Hände. Das sind gewiss noch nicht mal Hände von einem Gorilla-Baby. Als ich dann links neben meine Hüfte schaue und bemerke, dass dort ein verdammter braun-weiß gestreifter Schwanz liegt, fährt es mir abrupt in die Glieder. Ich bin ein verdammter Lemur.

Ich bin einer von diesen kleinen ultranervigen Affen – kein superstarker Gorilla, der mit seiner Hand Kokosnüsse zerdrücken kann. Ich brauche beide Hände um eine verfluchte Erdnuss zu zerdrücken. Woher ich das weiß? Na, weil unter mir jede Menge zerbröselter Erdnussschalen zwischen krabbelnden Ameisen liegen und ich gerade versuche eine zu zerdrücken. Ist das peinlich. Als hätte mein Sitzpartner, der ein menschliches Auge offenbart, es gewusst, nimmt er eine Hand Erdnüsse in seine Faust und lässt einmal seine Muskeln spielen. Er hält mir die zermahlenen Schalen hin damit ich mir die Erdnüsse raus picken kann. Dabei beachtet er nicht mein unzufriedenes Gesicht. Irgendwie scheint es allen auch nicht besonders wichtig zu sein, dass ich ein braun-weißer Lemur bin. Vielleicht weil ich der Einzige bin, der die Vereinsfarben in seinem Fell trägt.
„DoschDoschDoschDoschDoschDoschDoschDosch!“ Die Gorillas, plötzlich alle in Trikots und Hosen, hauen sich alle ziemlich hart auf die Brust. Ich schaue mit großen Augen in die Runde. Da kommt neben mir der Gorilla mit der langen Hose und dem langärmligen Trikot und haut mir so dermaßen auf den Rücken, dass ich quer durch den Raum fliege und zwar direkt in die Arme des größten Gorillas, der mich ähnlich wie ein Wide Receiver einfach nur auffängt und „mal eben“ auf den Boden stellt. „Uuuaahhaahaaa“, kommt aus meinem spitzen Mäulchen (was so viel wie „Danke“ heißen soll).

Die Kabine ist leer. Ich gehe mit dem Riesen-Gorilla auf die Tür. Ich öffne sie einen Spalt und erhasche gerade noch einen Blick auf die Anzeigetafel:

TV Fischbek – FC St. Pauli
29:30

Dann dreht sich alles und ich blicke wieder auf diese unzähligen Monde. Langsam komme ich zu mir. Das war ein verrückter Traum. Vielleicht erzähle ich ihn mal meinem Suchtberater. Kann ja sein, dass der damit etwas anfangen kann.

Am Samstag um 16 Uhr „träumt“ die 1. Männer von FC St. Pauli Handball wieder im eigenen Bett von einem Sieg. Sei also beim letzten Heimspiel dabei!
Wir freuen uns!

Eure 1. Gorillas

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