5. Männer
HSG Oberalster/F.
20
21

FC St. Pauli 5 - HSG Oberalster/Farmsen 20:21 (7:12), Heimspiel am 04.03.2017, 18:30 Uhr, Budapester Straße

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Wir sind trotzdem die geilsten – Ätsch!

Scheiße. Das hat’s nu echt nicht gebraucht: auch das zweite Spiel gegen Oberalster verkackt. Meisterschaft futsch. Schande über uns!

Und egal was euch die anderen erzählen – von mir erfahrt ihr die Wahrheit: die haben uns in der ersten Halbzeit sauber die Luft rausgelassen. Sie haben einfach eine konzentrierte offensive Abwehr hingestellt, die nicht viel mehr machen mußte als die Mitte und die Außen abzudecken – und wir haben uns angesichts des Platzmangels selbst demontiert. Kaum konnten wir mal unser gewohntes Laufspiel nicht aufziehen, wurden wir hektisch und fahrig. Suchten zu schnell die Entscheidung, verfielen in Einzelaktionen und spielten beschissene Pässe. Da gibt’s absolut nichts zu beschönigen. 12 Gegentore zur Pause sind so mittelschlecht, aber 7 eigene sind eine Katastrophe.

Jetzt war’s ja nicht so, daß Farmsen überragend gespielt hätte. Sie waren etwas übermotiviert und haben in der Abwehr ordentlich reingeholzt und das gerne auch mal zu spät. Anders als im Hinspiel sind sie dafür auch tüchtig rausgeflogen – 8 gegen 2 Zeitstrafen sprechen eine deutliche Sprache, genau wie die blutigen Wunden von Omar und Jonny und Alejandros klumpig gestauchter Finger.

Wir hatten genug Möglichkeiten, das Spiel zeitig zu drehen, aber wir haben unsere Fehler nicht abgestellt bekommen. Einem kurzen 3-Tore-Lauf unmittelbar nach der Pause folge eine desaströse Phase, in der wir eine doppelte Überzahl mit 1:2 verloren und der alte Abstand war wieder da.
Immerhin war’s laut, weil die gefühlt zweihundert Farmsener Fans durchweg blendende Laune und Kampfgeist versprühten.

Oberalsters offensive Abwehr hingegen verblaßte allmählich und ab der 45. verwandelte sich das Spiel in eine dieser epischen Schlachten, die unser Pokalpublikum so liebt. Erst gelang es uns, selbst auch mal ein paar Tore in gewohnter Frequenz zu schießen und ab der 50. Minute unterbanden wir selbiges beim Gegner komplett. Jetzt witterten unsere Fans Morgenluft und das Publikum schaukelte sich zu immer größerer Lautstärke auf. Und wir haben gekämpft wie die Löwen und hatten für ein paar Minuten wieder diesen herrischen Zugriff, der jedes Training und jeden Muskelkater lohnt.

Wir hatten sie bei den Eiern. Angst und Orientierungslosigkeit strahlten aus ihren Augen, wenn sie im Angriff waren; in der Abwehr strahlten sie Erschöpfung aus. Wir waren wach und schnell und machten auf einmal auch keine dämlichen Fehler mehr. Drei Minuten vor Schluß hatten wir ausgeglichen und die Riesenchance zur ersten Führung seit 50 Minuten vergeben.

Dann flog ihr Halblinker vom Platz, was die Statik des Spiels nochmal veränderte. Dummerweise zu unseren Ungunsten. Über die Wirkungskette bin ich mir nicht ganz im klaren; es hatte was mit dem veränderten Raum in der Rückraummitte zu tun – jedenfalls machten sie auf einmal wieder Tore von halbrechts.

Völlig bescheuert – aber das Spiel legte jetzt noch eine Schippe an Dramatik drauf, weil wir nämlich in Nullkommanix ausglichen. Die Halle tobte und sie trafen wieder und wir glichen wieder aus. Fünf Tore in den letzten zwei Minuten! Es war ein einziges Hin- und Hergerenne, vorangepeitscht vom frenetischen Applaus mehrerer tausend fanatischer Anhänger. Dummerweise fiel der letzte Treffer für die anderen – das Spiel hatte wahlweise fünf Sekunden zu lang oder zehn Sekunden zu kurz gedauert.

So haben wir ein Spiel, das wir angesichts der ersten Halbzeit nie hätten gewinnen dürfen, angesichts des letzten Viertes hätten gewinnen müssen, durch ein Tor fünf Sekunden vor Schluß verloren. Von einem schmächtigen Halbrechten. Über den Mittelblock. Genau in den Winkel. Fünf Sekunden von Schluß. Nachdem wir die meiste Zeit mit fünf Toren zurückgelegen hatten.

Das ist eine bittere Ironie und wer danach keinen schlechten Traum von irgendeiner vergebenen Chance oder einem falschen Zuspiel hatte, der träumt nicht ordentlich. Angesichts einer drohenden Demontage haben wir uns aber großartig in ein beschissenes Spiel reingekämpft und gezeigt, daß wir da oben hingehören und es hat sich geil angefühlt und wir haben großartige Fans.

Letzten Endes sind wir eben doch die geilsten.

(arne)

Es spielten: Bü (Tor), Alv (4), Jonny, Michael H., Bo (1), Sascha, Omar (3), Leon (5), Arne (6), Volker (1), Alejandro (Tor), Felix (Aushilfscoach)

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